Loslassen: Warum es manchmal so verdammt schwer ist und wie Du es trotzdem schaffst

Loslassen: Warum es manchmal so verdammt schwer ist und wie Du es trotzdem schaffst

Alte Verletzungen können uns über Jahre belasten. Deshalb ist es so wichtig, dass wir lernen loszulassen. In diesem Artikel geht es darum alte Verletzungen aus der Vergangenheit loszulassen, um wieder mehr Kraft für den (Mama-)Alltag zu haben. In meinem Artikel „Vergebung: Warum sie für Dein Wohlbefinden wichtig ist und wie Du es schaffst zu vergeben“ geht es darum mit der Vergangenheit Frieden zu schließen. Was ein wichtiger Schritt ist, um loslassen zu können. Doch es kann sein, dass Du es trotzdem nicht schaffst Dich von einem negativen Erlebnis zu lösen. Welche wichtigen Aspekte das Loslassen blockieren können und wie Du sie nutzt, um loszulassen, liest Du in diesem Blogartikel.

Loslassen durch Annehmen

Mit der Vergangenheit Frieden zu schließen beinhaltet natürlich bereits diese auch anzunehmen. Trotzdem möchte ich hier noch einmal näher auf das Thema Annehmen eingehen.

Du kannst die Vergangenheit nicht ändern. (Jedenfalls nicht in der „objektiven Realität“. Weiter unten gehe ich auf eine Technik ein, mit der Du negative Erinnerungen verändern kannst) Aber zunächst, mache Dir bewusst: Was passiert ist, ist passiert. Nun hast Du die Chance Deinen Umgang damit zu ändern. Wenn Du etwas bekämpfst, weil Du es los werden willst, wird es an Dir haften. Weil Du dann Deine ganze Aufmerksamkeit und Energie in diese Richtung lenkst. Deshalb geht der Weg des Loslassens immer über das Annehmen. Annehmen heißt dabei nicht „gut heißen“, sondern einfach dieses Erlebnis als Teil Deines Lebens anzuerkennen.

Das ist natürlich ein bisschen tricky. Denn es passiert schnell, dass man entscheidet etwas anzunehmen UM es LOSZUWERDEN.

Ich habe mich schon bei dem Gedanken ertappt:

„Verdammt, ich habe es doch angenommen. Warum verschwindet es jetzt nicht endlich?“

Versuche es mal so oder so ähnlich:

„Du, negatives Erlebnis meiner Vergangenheit, Du bist Teil meiner Geschichte. Es tut weh, dass es Dich gibt. Aber jetzt werde ich Dich nutzen, nachdem ich Dich betrauert habe und meiner Wut Raum gegeben habe und werde Dich in eine stärkende Kraft wandeln. Ich werde aus Dir etwas schaffen, was mich stärkt und voran bringt.“

Negatives Selbstbild loslassen

Ich hatte über 10 Jahre eine starke Angststörung. Regelmäßige Panikattacken, während denen ich Atemnot und Wahrnehmungsstörungen bekam, waren fester Bestandteil meines Lebens. Tief melancholisch versank ich regelmäßig mit der Musik von Evanescence oder Silverchair in einem Tränenmeer. „Problem-Maureen“ nannte mich eine Freundin mal, mehr oder weniger scherzhaft.

Auch eine Psychoanalyse und die Aufarbeitung der Ursachen schien mir da irgendwie nicht so richtig heraus zu helfen. Bis mir irgendwann bewusst wurde: Ich wusste gar nicht mehr wer ich bin, ohne diese Melancholie, ohne dieses Drama. Oder zumindest hat sich mein Selbstbild der leidenden jungen Frau über Jahre so festgesetzt, dass das Wissen darüber was mich noch ausmacht in den Hintergrund getreten ist.

Ein erster Schritt kann also sein Dich zu fragen:

Worüber definiere ich mich?

Wenn Du merkst, dass Du Dich über das Leid definierst, frage Dich worüber Du Dich in Zukunft definieren möchtest.

Wer bin ich ohne den Schmerz?

Was macht mich aus unabhängig von den negativen Erfahrungen, die ich gemacht habe?

Was macht mir Spaß?

Wo liegen meine Stärken?

Aufmerksamkeit, Beachtung, Anerkennung

Wenn Du vergessen hast wer Du bist ohne den Schmerz, was Du gut kannst und was Dich ausmacht, kann es sein, dass Du Deine negativen Erlebnisse noch „brauchst“. Dann fühlt sich das Mitleid der Anderen für Dich wie eine Form der Anerkennung an. Du bekommst Aufmerksamkeit, wirst beachtet.

Aufmerksamkeit, Beachtung und Anerkennung sind menschliche Grundbedürfnisse.

Ich kann verstehen, wenn Dir diese Vorstellung jetzt irgendwie zuwider ist. Denn schnell werden diese Bedürfnisse fälschlicherweise als Narzissmus verstanden.

Es ist unangenehm sich selbst als jemanden zu sehen, der es auf Mitleid abgesehen hat und der versucht über sein Leid Aufmerksamkeit zu erlangen.

Aber all das ist menschlich. Wir alle brauchen Anerkennung und Aufmerksamkeit. Solange uns nicht bewusst ist, dass es weitaus effektivere Wege gibt, dies zu erlangen oder wir nicht wissen wie wir diese Wege gehen können, kann es sein, dass wir unser Leid nicht loslassen können.

Deshalb schreibe die Antworten auf die oben stehenden Fragen auf und lies sie Dir regelmäßig durch.

Verankere wieder ganz fest in Dir wer Du wirklich bist.

Angst vor Rückschlägen loslassen

Ich fühlte mich damals zwar meistens wertlos und unendlich traurig, aber irgendwie fühlte ich mich in diesem Schmerz sicher. Ich kannte mich aus damit, war zu Hause in dieser Welt. Die Depression gab mir ein ganz absurdes Gefühl von Geborgenheit. Ich wollte das irgendwie gar nicht loslassen. Am Boden liegend konnte ich wenigstens nicht mehr fallen. Ich hielt mich selbst gefangen in dieser Rolle der leidenden jungen Frau.

Veränderung kann erstmal Angst machen. Denn sie bedeutet Unsicherheit. Man weiß nie was kommt. Die Angst von weiter oben wieder auf dem Boden aufzuschlagen und die fehlende Vorstellungskraft, dass man es schaffen kann, sind mitunter lähmend.

Hier können Dir geführte Meditationen oder Traumreisen helfen. Auf YouTube gibt es viele kostenlose Meditationen. Mir gefallen zum Beispiel die von Alan Fields gut. Dort findest Du auch eine Traumreise zum Auflösen von Ängsten

Gewohnheit loslassen

Gewohnheiten sind der stärkste Kleber. Und wenn Du es über Jahre gewohnt bist Dich in negativen Gedankenschleifen aufzuhalten, benötigt es eine ganze Menge Durchhaltevermögen da heraus zu kommen.

Wenn man niemanden hat, der einem die Hand reicht und einen ermutigt und regelmäßig erinnert weiter zu gehen, kann es schnell passieren, dass man aufgibt.

Es ist wichtig, dass Du Dir eine neue Gewohnheit aneignest, die die alte Gewohnheit ablöst. Jedes Mal, wenn Deine Gedanken beginnen um die alte Verletzung zu kreisen, sage innerlich oder auch laut (wenn Du alleine bist 🙂 ) : „STOPP!“. Und dann kreiere Dir ein Ritual, welches Du jedes Mal ausübst. Steh auf und hüpfe, schüttel die negativen Gedanken ab. Und dann tu etwas, was Dir gut tut. Höre laut Musik, atme tief in den Bauch, summe, tanze, mach Sport, bade, schau Dir Videos von lachenden Menschen an und lass Dich anstecken, umarme jemanden, den Du magst, massiere Deine Füße, rieche an einem ätherischen Öl oder einem Gewürz, das Du magst oder was auch immer…

Eine weitere Möglichkeit das Loslassen zu unterstützen ist die Klopfakupressur (EFT, PEP usw). Mal ganz unesoterisch gesagt, dient das Klopfen der Ablenkung durch Fokussierung auf etwas anderes. Außerdem arbeitet man mit den sich körperlich auswirkenden Gefühlen direkt auf körperlicher Ebene und kann so Gefühle lösen. Bewegung und Berührung sind ganz wichtige Strategien, um Gefühle zu verarbeiten.

Im Internet findest Du ganz viele Anleitungen dazu. Aber ich werde auch zeitnah selbst eine Anleitung erstellen und hier einfügen.

Negative Erinnerungen verändern

Das menschliche Gedächtnis ist kein starres, unveränderliches Erinnerungsprogramm. Gedächtnisinhalte werden regelmäßig reaktiviert und auf ihre aktuelle Relevanz hin überprüft, bevor sie erneut gespeichert werden. Während dieses „Updates“ – der sogenannten Rekonsolidierungsphase – lassen sich Erinnerungen verändern.

Süddeutsche Zeitung – Erinnerungen löschen: Training für das Vergessen

Die Tatsache, dass menschliche Erinnerungen veränderbar sind, kann man nutzen, um eine sehr schmerzhafte Erinnerung abzumildern und dadurch erträglicher zu machen.

Dies kannst Du bewirken, indem Du die Erinnerung und das damit verbundene Gefühl abrufst und Dich in der Vorstellung in die Situation Deiner Vergangenheit begibst. Es ist nicht notwendig ganz intensiv einzusteigen und auch nicht ratsam, wenn es um eine sehr schwere Verletzung geht.

Dann kannst Du beginnen Dir in der Phantasie einen anderen Ausgang der Situation vorzustellen, wie Dir jemand geholfen hat oder wie Du selbst aus der Situation ausbrechen konntest. Oder zum Beispiel, dass die Person sich bei Dir entschuldigt hat oder in Therapie geschickt wurde.

Im Buch von Stefanie Stahl „Das Kind in dir muss Heimat finden“ ist die Übung „Überschreiben alter Erinnerungen“ genau beschrieben. (Zu finden auch als Leseprobe über Google)

Eventuell solltest Du Dich bei dieser Übung von einem Therapeuten begleiten lassen (je nach Schwere der Verletzung) und Du brauchst in jedem Fall Raum und kindfreie Zeit dafür.

Loslassen ist ein Prozess!

Gib Dir Zeit. Wiederhole täglich einen Satz wie: „Ich bin nun bereit loszulassen“. Auch Rückschläge sind Teil des Prozesses. Gib nicht auf. Es kann sein, dass Deine Gewohnheiten und Dein über Jahre konditioniertes Unterbewusstsein sich aufbäumen und ums Überleben kämpfen, bevor sie dann gehen können. Lass Dich davon nicht beirren oder entmutigen. Geh einfach weiter.

Du schaffst das!

Alles Liebe!

Deine Maureen

Dieser Beitrag hat einen Kommentar

  1. Liene

    ‚Losslassen‘

    Schon wieder ein genialer Blogbeitrag von dir😊
    Ich fühle mich so verstanden und er lässt sich schön lesen .
    Außerdem sind super Tipps dabei die man selbst anwenden und umsetzen kann wenn man möchte.
    Ich habe das Gefühl du weißt was du da schreibst und weißt was helfen kann 🙏
    Vielen Dank dafür!❤

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