Team Eltern: Wie gleichberechtigte Aufgabenverteilung gelingen kann

Team Eltern: Wie gleichberechtigte Aufgabenverteilung gelingen kann

„Alles muss ich alleine machen! Du kümmerst Dich um nichts!“

Manchmal fühlt es sich als Mutter so an, als laste irgendwie alles auf einem alleine. So viel Verantwortung rund um Kinder und Haushalt und ständige Verfügbarkeit. Am liebsten würden wir unserem Partner manchmal abends einfach alles vor die Füße knallen und sagen: “Hier, jetzt bist Du dran! Du kannst auch MAL was machen.” An einigen Abenden tun wir das sogar. Dann entflammt meist eine Diskussion wer die belastendere Tätigkeit ausübt. Vorwürfe fliegen durch den Raum und wir fühlen uns ungerecht behandelt und unverstanden. Die Fronten verhärten sich. Und eigentlich geht es uns danach noch schlechter als vorher.

Wenn wir auf unsere Männer nur mit Vorwürfen und Forderungen zugehen, ist es ganz menschlich, dass sie abblocken. Es ist auch menschlich, wenn wir wütend werden, weil wir uns ungerecht behandelt fühlen, weil wir erschöpft sind und uns damit allein gelassen fühlen. Doch diese Wut bringt uns nicht weiter. Also, was können wir tun?

Perspektivwechsel

Wir wollen doch nur Verständnis erhalten. Aber verstehen wir eigentlich unseren Partner?

Was wir Mamas in solchen Situationen oft vergessen ist, dass auch Männer heutzutage einiges leisten. Und vor allem, dass auch Männer Blockaden, Ängste, Sorgen und Unzulänglichkeiten haben. Meistens reden sie nur nicht so darüber. Auch die Anforderungen an Männer sind gestiegen. Nach einem anstrengenden Arbeitstag sollen sie oft direkt übernehmen. Sie sollen ihre Frau entlasten, sensibel auf ihre hormonellen Kapriolen eingehen, ausgelassen mit den Kindern spielen, ein offenes Ohr für Frau und Kinder haben, offen sein für neue „Erziehungskonzepte“, den Haushalt bloß nicht vernachlässigen und auf Kritik der Frau verständnisvoll reagieren.

Ja! Männer unterschätzen meistens was es bedeutet die Hauptverantwortliche für Kinder und Haushalt zu sein. Das habe ich selbst auch total unterschätzt. Das ahnt kein Mensch, bevor er es nicht selbst erlebt hat. 🙃🙈 Wir sollten es unseren Männern daher nicht übel nehmen, dass sie nicht nachvollziehen können, wie anstrengend so ein „Mamajob“ ist. Woher sollen sie es auch wissen?

Aber ich glaube auch, dass wir Frauen oft unterschätzen unter welchem Druck unsere Männer stehen.

Vielleicht fühlt Dein Mann sich gar nicht so wohl mit seinem Job. Hat gleichzeitig aber das Gefühl keine andere Wahl zu haben, weil er schließlich die Familie versorgen muss. Das kann ein großer psychischer Druck sein.

Umgekehrt könnten wir den Haufen Vorwürfe niemals ertragen, den wir unseren Männern oft nach einem langen Arbeitstag vor die Füße kippen, oder?! Wann schenken wir unseren Männern eigentlich Anerkennung und Wertschätzung für das, was sie leisten?

Auch WENN wir mehr leisten, ist gegenseitige Wertschätzung doch die Basis dafür auf offene Ohren zu stoßen, wenn wir das Gefühl haben nicht mehr zu können und wir Aufgabenbereiche abgeben wollen. Wenn Dein Mann genauso das Gefühl hat seine Arbeit wird nicht anerkannt oder im Vergleich zur Care-Arbeit als weniger wertvoll erachtet, wird die Kommunikation schwierig. Deshalb frag erst einmal wie es ihm geht, statt Vorwürfe zu machen und ohne Austausch weitere Aufgaben auf seine Schultern laden zu wollen.

Vermeintlichen Egoismus als Ressource anerkennen

Kennst Du das, dass Dein Partner irgendwie immer zuerst seine Bedürfnisse zu befriedigen scheint, bevor er sich um die der Kinder kümmert? Er zieht sich morgens in aller Ruhe an, während die Kinder im Winter schon barfuß durch`s Haus flitzen. Wenn er kocht, ist die Mahlzeit leider so gar nicht baby- oder kleinkindkompatibel. Oder wenn er dran ist sich nachts um die Kinder zu kümmern, ruft er einem weinenden 2-jährigen entgegen: „Komm einfach her“, statt aufzuspringen und sich aufopfernd zu kümmern, so wie Du das immer tust… Wenn die Kinder getragen werden möchten, weil sie total müde sind, tut er es manchmal nicht, weil er selbst müde ist. Du hingegen trägst die Kinder sogar, wenn Du krank bist…

Oft übernimmst Du dann wieder, weil Du der Meinung bist es eh besser zu machen, oder?! Und schon ist die Aufgabenverteilung wieder dahin…

„Blöder Egoist!!“ Dachte ich lange Zeit. Mittlerweile denke ich: „Gar nicht so dumm!“ Denn nur, wenn wir für und selbst sorgen und unsere eigenen Bedürfnisse ernst nehmen und befriedigen, haben wir Kraft für unsere Kinder da zu sein und überhaupt glücklich zu leben.

Außerdem: was wollen wir unseren Kindern vorleben? Natürlich ist es ein wichtiger Wert hilfsbereit zu sein und andere unterstützen zu wollen. Doch ebenso wichtig ist es zu lernen, dass man selbst wichtig ist und wie man in seiner Kraft bleibt. Dass man seine eigenen Grenzen wahrnimmt und respektiert und sich nicht aufopfert.

Sich gemeinsam Aufgabenbereiche bewusst machen

Um gemeinsam ein gegenseitiges Verständnis zu entwickeln, kann es hilfreich sein mal alles aufzuschreiben was tagtäglich anfällt und wer für was verantwortlich ist.

Da kann einem auch schon mal bewusst werden, dass auch der Andere gar nicht so wenig auf dem Zettel hat.

Und Dein Mann bekommt die Chance einmal zu sehen wieviel es wirklich ist. Wieviele Kleinigkeiten sich zusammen läppern, an die man denken muss und die man zu erledigen hat.

Aber tut dies in einem ruhigen Moment, in dem Ihr Euch wohlgesonnen seid. Nicht im Streit!

Ich weiß, das ist leichter gesagt als getan. Du glaubst nicht wiiiie viiiiele laute Diskussionen mein Mann und ich darüber hatten. Und ich gebe zu, dieses Thema gehört weiterhin zu meinen Lernfeldern.

Wir sind nur Menschen und manchmal knallt es auch mal. Aber die Bereitschaft für einen Perspektivwechsel ist die Grundlage für ein gegenseitiges Verständnis.

Und „Ich kann gerade nicht mehr. Lass uns bitte gemeinsam Lösungen finden.“ kommt meist besser an als: „Alles muss ich alleine machen!“ 

Gemeinsam Verantwortungsbereiche festlegen

Bei uns hat der ewige Streit wer wie oft die Spülmaschine ausräumt oder wer wie oft saugt aufgehört, als wir klare Verantwortungsbereiche festgelegt haben. Und mein Überforderungsgefühl hat damit auch nochmal deutlich abgenommen.

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