Vergebung: Warum sie für Dein Wohlbefinden wichtig ist und wie Du es schaffst zu vergeben

Vergebung: Warum sie für Dein Wohlbefinden wichtig ist und wie Du es schaffst zu vergeben

Es kann die tägliche kleine Wut über den eigenen Partner, die Schwiegermutter, nervige Nachbarn, andere Mütter, Lehrer oder Erzieher unserer Kinder sein. Oder der jahrelang festsitzende Schmerz über eine alte Verletzung. Beides schwächt uns. Und das ist schon der wichtigste Grund für Vergebung! Ein Teil von Dir ist in dieser Situation gebunden und indem Du sie nicht los lässt und sie vielleicht sogar wieder und wieder anderen Menschen erzählst, erlebst Du die verletztende Situation immer wieder auf`s Neue. Und damit verletzt DU DICH SELBST immer wieder. 

Vergebung ist die Befreiung aus der passiven Opferrolle

Vergebung klingt irgendwie nicht sexy. Eher verstaubt und vielleicht sogar nach Unterordnung und Passivität. Es kann Angst machen, dass die eigenen Grenzen dadurch an Sichtbarkeit verlieren. Vielleicht denkst Du dabei an: nachgeben, dem anderen das Feld überlassen… Doch Vergebung ist in höchstem Maße aktiv, mutig und stark. Sie ist ein Akt des Willens, der verhindert, dass ein negatives Erlebnis lange Zeit an Dir zerrt und Dir Kraft raubt oder Dich sogar kaputt macht. Damit ist Vergebung also vor allem eine wichtige Bewältigungsstrategie.

Wenn Du Wut und Groll jemandem gegenüber empfindest, kann Dich das jahrelang schwer belasten. Viele Menschen entwickeln durch erlebte Verletzungen Depressionen, Angststörungen oder autoaggressives Verhalten. Du quälst Dich selbst mit negativen Gedanken und Gefühlen und gibst damit die Macht über Deine Gefühle an jemand anderen ab.

Außerdem binden Rachegefühle Deine Energie in der Vergangenheit und sie fehlt Dir im Hier und Jetzt!

Ich stelle hier bewusst nicht die Frage, ob die Person dies „wert ist“, denn wenn es zum Beispiel um die eigenen Eltern geht, ist der „Wert“ dieser Menschen doch naturgemäß sehr hoch. Eltern sind sicher keine unwichtigen Personen im Leben eines Menschen.

Schau Deine Wut und Deinen Groll an!

Es geht hier nicht darum Deine Gefühle zu verdrängen, Deine Wut zu ignorieren oder unauthentisch zu sein. Es ist wichtig, dass Du diesen Gefühlen auch einen gewissen Raum gibst. Also keine Angst, es ist nicht das Ziel, dass Du in Zukunft verstrahlt grinsend durch die Welt läufst und alles wunderbar und in Ordnung findest. Wut zeigt Dir, was nicht in Ordnung ist. Sie zeigt Dir wo Deine Grenzen sind und was im Umgang mit anderen wichtig für Dich ist. Doch ein zu viel an Wut, die vielleicht sogar in eine Art chronische Wut übergeht, ist zerstörerisch.

Verstehen hilft zu vergeben

Es ist menschlich, dass Kommunikation nicht immer perfekt abläuft. Es ist ganz normal, dass wir uns gegenseitig immer mal wieder mit unbedachten Worten und Handlungen verletzen. Wenn Dich jemand rücksichtslos oder respektlos behandelt, kann das daran liegen, dass die Person selbst gerade so belastet ist, dass sie im Moment kein Gespür mehr dafür hat wie es anderen geht. Außerdem haben Menschen unterschiedliche Erfahrungen. Was für den einen schlimm ist, kann für den anderen aufregend oder lustig sein. Deshalb kann es immer wieder passieren, dass wir anderen Menschen mal auf die Füße treten, weil wir einen wunden Punkt erwischen, der uns selbst überhaupt nicht bewusst ist. 

Wenn Menschen andere Menschen stark verletzten, vielleicht sogar bewusst verletzen, tun sie das, weil sie ihre eigenen Verletzungen weiter geben. Wenn sie selbst nicht in der Lage sind ihre eigenen schmerzhaften Erfahrungen zu reflektieren und zu verarbeiten, versuchen sie andere Menschen z.B. durch Verachtung oder grenzüberschreitendes Verhalten klein zu machen, um sich selbst wichtiger zu fühlen. Darüber sind sie sich in der Regel selbst nicht im Klaren. Sie haben das Bedürfnis Macht auszuüben und selbst einmal in der Rolle des „starken Täters“ zu sein, statt sich als hilfloses Opfer zu fühlen.

Es kann auch sein, dass sie durch eine Verletzung, die sie selbst erlebt haben, einen dermaßen unerträglichen Druck in sich spüren, dass sie diesen Druck entladen, indem sie andere Menschen misshandeln. Oder sie tragen selbst eine so große Angst vor Verletzung in sich, dass sie sozusagen präventiv andere verletzen. „Bevor Du mich verletzt, verletze ich Dich.“

Das ist schlimm, keine Frage und das ist auch keine Entschuldigung. Aber das Bewusstsein dafür kann helfen, um jemandem zu vergeben. Und es kann helfen die Tat von sich selbst abzurücken. Denn eigentlich hat die Tat nichts mit Dir zu tun. Falls Du Dich also durch das Verhalten eines anderen Menschen Dir gegenüber irgendwie klein und minderwertig fühlst, mache Dir bewusst: Du bist es nicht! Der andere ist in Not und nicht in der Lage besser damit umzugehen, als jemand anderen zu verletzen.

Ich kenne diese Stimme, die jetzt sagt: „Na und?? Was kann ich dafür?? Warum sollte ich jetzt auch noch Verständnis für den anderen empfinden? Er oder sie würde niemals Verständnis für mich aufbringen.“

Tue es für DICH! Für Deinen inneren Frieden.

Das ist kein Verständnis, welches Du aufbringst, um den anderen zu retten, sondern um Dich selbst abzugrenzen. Um die Tat oder den respektlosen Umgang beim Anderen zu belassen.

Vergeben heißt nicht verharmlosen

Hier ist es, vor allem bei Themen wie Misshandlung wichtig sich bewusst zu machen, dass Du den Täter durch Verständnis und Vergebung nicht von seiner Schuld befreist und die Tat damit auch keineswegs verharmlost wird. Der Täter ist nach wie vor verantwortlich dafür gegen eine Norm verstoßen zu haben!

Vergebe auch, wenn der andere keinerlei Reue zeigt

Wenn Du einen Menschen mit seiner Schuld konfrontierst, kann es sein, dass er keinerlei Reue zeigt. Es kann sein, dass die Person mit Deiner Reaktion nicht umgehen kann. Dass sie von Deiner Verletztheit und Wut erschrocken ist, weil sie damit überhaupt nicht gerechnet hat. Es kann auch sein, dass die Person ihre eigene Schuld nicht erträgt. Dadurch kommt es zu Scham und das eigene Selbstbild kann massiv ins Wanken geraten. Die wenigsten Menschen haben gelernt mit Scham umzugehen. So, dass viele Menschen dann erst recht irgendwie unsensibel reagieren. Dass sie selbst sauer werden, weil sie das Gefühl der Scham nicht ertragen und sich deshalb einen Schutzschild aus Wut oder Ignoranz errichten.

Oder die Person ist einfach zu sehr gefangen in den Gefühlen, die ich weiter oben beschrieben habe. Lass trotzdem los! Stück für Stück… für Dein Wohlbefinden.

Vergebung funktioniert nicht auf Knopfdruck. Es ist vielmehr die Entscheidung vergeben zu wollen, die man sich über Monate immer wieder bewusst macht.

Es kann helfen einen Brief zu verfassen, den Du nie abschickst. Nur für Dich selbst!

„Ich vergebe Dir!“

Wenn Du das Gefühl hast noch nicht so weit zu sein einen Vergebungsbrief schreiben zu können oder wollen, kann Du auch zuerst einen Brief schreiben, in dem Du allen Schmerz und alle Vorwürfe niederschreibst. Und diesen Brief kannst Du dann selbst beantworten. Dies kann helfen Distanz zu gewinnen. Außerdem hilft es die Situation in der eigenen „Innenwelt“ zu verändern.

Vergib auch Dir selbst!

All das gilt natürlich genauso für Dich selbst. Erlaube Dir menschlich zu sein. Denn Selbstzweifel schwächen Dich nur. Du hast jederzeit die Chance etwas anders oder besser zu machen, aber dazu brauchst Du Kraft. Mindere diese Kraft nicht, indem Du Dich selbst verurteilst.

Durch den Schmerz wachsen

Sieh in schwierigen Lebenssituation Chancen zu wachsen. Jeder unangenehme zwischenmenschliche Kontakt gibt Dir die Chance Persönlichkeitsentwicklung zu betreiben, zu lernen besser mit schwierigen Situationen umzugehen. Deshalb sei dankbar für Schwierigkeiten des Alltags und nimm sie als Herausforderung an! Denn erst durch das Annehmen, hast Du die Chance sie wandeln zu lassen.

Alles Liebe!

Deine Maureen

In meinem Artikel Loslassen: Warum es manchmal so verdammt schwer ist und wie Du es trotzdem schaffst, findest Du noch mehr Unterstützung zum Thema

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