Wut: Warum sie wichtig ist und wie Du verhinderst, dass Du von Aggressionen überwältigt wirst

Wut: Warum sie wichtig ist und wie Du verhinderst, dass Du von Aggressionen überwältigt wirst

Mama-Wut. Immer noch ein Tabuthema, oder?! Bist Du auch manchmal so furchtbar wütend? Könntest ausrasten oder tust es vielleicht sogar? Wusstest Du, dass es vielen Mamas so geht?

Ich fühlte mich lange Zeit allein mit dieser Wut. Die war natürlich auch schon da, bevor ich Kinder hatte. Das erste Mal verwundert festgestellt, dass auch andere Frauen wütend sind, habe ich mit ungefähr 23 Jahren. Das hat mich schon ein bisschen erleichtert, weil ich wirklich dachte, meine Gefühle seien nicht normal und vor allem absolut inakzeptabel.

Dass man wütend auf seine eigenen Kinder sein kann, konnte ich mir zu dem Zeitpunkt noch gar nicht vorstellen. Umso erschrockener war ich, als mich als Mutter auf einmal regelrechte „Wut-Tornados“ erfassten.

Ich wollte die Wut weg haben! Und habe mich so danach gesehnt ein total ausgeglichener, gelassener Mensch zu sein.

Als ich stark mit meiner Wut zu kämpfen hatte, gab es das Buch „Mama, nicht schreien“ leider noch nicht, was ja mittlerweile sehr bekannt ist. Ich habe mich also allein gefühlt mit diesem Thema und mich geschämt.

Warum sollten wir die Wut annehmen, statt sie abzulehnen?

Natürlich ist es wichtig darauf zu achten, dass Wut nicht Deinen Alltag dominiert, aber sie ist Teil des Lebens. Sie gehört dazu. Genauso wie Freude, Glück, Liebe, Angst, Trauer, Scham usw.

Wut und Aggression haben sogar einen Sinn.

Ich finde das Wort „Aggression“ klingt furchtbar! Es klingt nach Zerstörung. Doch was ist Aggression eigentlich? Bei Wikipedia findet man als Definition: „Sie ist ein biologisch in Tieren und Menschen verankertes Verhaltensmuster zur Verteidigung oder Gewinnung von Ressourcen und zur Bewältigung potenziell gefährlicher Situationen.“ Sie ist also Teil der Natur des Menschen.

Jesper Juul hat sogar ein Buch geschrieben mit dem Titel: „Aggression – Warum sie für uns und unsere Kinder notwendig ist

Unterdrückte Wut kann zu Depressionen führen oder zu impulsiven nicht mehr händelbarer Aggression.

Wut ist Energie und der Ausdruck dafür, dass uns etwas wichtig ist. Sie ist dazu da unsere persönlichen Grenzen zu verteidigen.

Lerne Deine Triggerpunkte zu verstehen

Wenn wir uns nicht mit unserer Geschichte und den Erfahrungen unserer Vergangenheit beschäftigen, können uns Situationen, die vielleicht sogar gar nicht als Grenzüberschreitung gemeint sind, derart triggern, dass wir große Wut empfinden. Dann kann es zu impulsiver Wut kommen, die kaum zu zügeln ist.

Dann sind Tipps wie: „Zähl bis 10 oder zähle alle grünen Dinge im Raum, bevor Du reagierst“ einfach nutzlos. Die Reaktion schießt derart schnell heraus, dass wir keine Chance haben zu reflektieren. Deshalb ist es so wichtig hier früher anzusetzen.

Deshalb ist es wichtig, dass Du Dir Deiner Vergangenheit bewusst wirst. Wo warst Du wütend, konntest es aber nicht ausdrücken? Wann hast Du Dich machtlos gefühlt?

In dem Moment, in dem wir unsere Aggression annehmen können und uns selbst nicht verurteilen für diese starken Gefühle, haben wir die Chance gelassener zu werden.

Häufe nicht zu viel Anspannung an

Wir Mütter gehen oft über unsere eigenen Grenzen (Väter natürlich auch, aber tendenziell können sie sich etwas besser abgrenzen).

Wenn wir Pausen vergessen oder die Selbstfürsorge immer hinten anstellen, ist es völlig normal, dass uns irgendwann die Hutschnur platzt. Oft passiert dies leider unseren Kindern gegenüber, die überhaupt nichts dafür können, wenn wir nicht ausreichend für uns selber sorgen und deshalb sehr dünnhäutig sind. Nimm Dir täglich Auszeiten, in denen Du tief in den Bauch atmest und etwas für Dich tust. Und lerne „Nein“ zu sagen, wenn Dir etwas zu viel ist.

Mein kostenloser Onlinekurs „Entfalte Deine MamaKraft“ kann Dir ebenfalls helfen mit Deiner Wut gesund umzugehen.

Die Wut Deiner Kinder

Kennst Du das, dass Dich wütende Ausbrüche Deiner Kinder rasend machen? Dass Du es furchtbar findest, wenn sie ein derart „unsoziales Verhalten“ an den Tag legen, statt angepasst und achtsam zu handeln?

Auch der impulsive Ärger unserer Kinder triggert natürlich wieder unsere eigene Wut.

Schon früh versuchen wir unsere Kinder sozial verträglich zu machen, regelrecht zu formen. Hauen, kratzen, beißen wird als inakzeptables Verhalten verurteilt. Das gehört sich nicht! Unsere Kinder sollen bitte lernen ihrem Ärger keinen oder wenig Ausdruck zu verleihen. Wenn sie auf dem Spielplatz ein anderes Kind hauen, um zum Beispiel ihr Eigentum zu verteidigen, erklären wir ihnen, dass sie lernen müssen abzugeben. Aber sollten wir ihnen nicht vielmehr das Gefühl geben, dass es in Ordnung ist, dass sie ihre Grenzen verteidigen. Dass sie entscheiden dürfen wer ihnen und ihren Spielsachen nahe kommt? Dass es andere Wege als Hauen gibt, dürfen die Kleinen noch lernen. Dabei brauchen sie unsere liebevolle Unterstützung und das Gefühl, dass sie mit ihrer Wut ernst genommen werden. Das ist ein Lernprozess, der einige Jahre dauert. Seine Gefühle sprachlich auszudrücken ist super schwierig! Das können die meisten Erwachsenen nicht. Es ist also völlig normal, dass Kinder sich körperlich ausdrücken.

Ein schönes Buch, welches dieses Thema ganz niedlich behandelt, ist zum Beispiel:

Man kann auch verschiedene Übungen und Spiele anbieten, um zu lernen intensive Gefühle raus zu lassen ohne andere dabei zu verletzen. Beim Trommeln, kann man seine wütende Energie und Lust zu hauen in Töne umwandeln. Man kann ein Wutmännchen malen und das Papier dann zerknüllen und an die Wand pfeffern. Man kann hüpfen, Tau ziehen oder in ein Kissen schreien.

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